TYPO3 als Werkzeug zur Produktion und Reflexion im projektorientierten Unterrichtsvorhaben: "Erstellung einer Schulwebsite"

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Grundüberlegungen

Sie kann Schule und Lernen darstellen, sie kann begeistern, sie kann Identifikation mit der Schule und Zusammengehörigkeit von Schülern, Lehrern und Eltern verstärken und erhalten. Sie kann ganz unterschiedliche Personen am Schulleben teilhaben lassen, und sie kann es organisieren und unterstützen. 
Sie kann die Kommunikation über Schule und Schulleben verbessern

…die Rede ist von einer Schulwebsite. In zweifacher Weise lässt sich die Vision des Open-Source-Projekts TYPO3 „enabling people to 
communicate“ auf dieses projektorientierte Unterrichtsvorhaben beziehen: die neue Website ermöglicht Kommunikation über Schule und Schulleben. die Portfolios ermöglichen Kommunikation und Reflexion über den Prozess und das Ergebnis.
 Eine grundlegende Idee des Projekts war somit, TYPO3 nicht nur für die Gestaltung der Website sondern auch für die Organisation und Reflexion des Unterrichtsvorhabens zu verwenden. 
In dieser Arbeit möchte ich auch der Frage nachgehen in wie weit sich TYPO3 für diese Aufgabe eignet. Die Schüler bei der Produktion einer Schulwebsite mit in die Verantwortung zu nehmen ist mehr als eine motivierende und ansprechende Aufgabe. Sie bereitet die Schülerinnen und Schüler gezielt auf den Umgang mit informationstechnischen Werkzeugen vor, wenn diese lernen, selbst Informationen zusammenzutragen, zu strukturieren, zu überarbeiten, zu veröffentlichen und zu vernetzen. Diese fachbezogene, projektorientierte Arbeit an der Seite wird dadurch zum Sinn stiftenden Rahmen - zum Lernanlass - für eine Vielzahl von Lernprozesse, ganz egal ob fachlicher, sozialer, personaler oder methodischer Art. Ausgangspunkt für die Durchführung dieses Projekts war die Vision, Schülern die Bearbeitung der Schulwebsite weitgehend selbst in die Hand zu geben, damit diese Website stärker als bisher ihre Website wird. Dabei habe ich Wert darauf gelegt möglichst nahe am ursprünglichen Projektgedanken zu bleiben: vor allem was die Selbstständigkeit und Selbstverantwortung der Schüler . 
Durch diesen Ansatz stoßen scheinbar konträre Interessen aufeinander: auf der einen Seite die Interessen der Schüler („Eine Seite für Schüler, Lehrersteckbriefe, Gästebuch, Forum“) und auf der anderen Seite die der Institution Schule, vertreten durch die Schulleitung und das Kollegium („korrekte Inhalte, berechtigte rechtliche Einwände, professionelle Visitenkarte, möglichst wenig private Daten über Lehrer“). Neben Erfolgserlebnissen hat das Projekt den beteiligten Schülern dadurch leider auch Frustration beschert. Zum Beispiel dann wenn bereits Erarbeitetes, zumindest in der geplanten Form, nicht verwendet werden konnte. Rahmenbedingungen

Didaktische Überlegungen zum Projekt (Themenbegründung und Bezug zum Bildungsplan)

Vorbereitung auf ein Leben in der Informationsgesellschaft

Schule muss, wenn sie ihren Erziehungs- und Bildungsauftrag auch weiterhin erfüllen möchte, auch auf den selbstständigen, verantwortungsbewussten und qualifizierten Umgang mit „Informtion verarbeitenden Systemen“4 vorbereiten. Durch die technischen Entwicklungen des Personal Computers und dessen flächendeckende Anbindung an das Internet ist der Zugang zu Informationen immer einfacher geworden. Die „Informationsexplosion“5 stellt dagegen immer höhere Anforderungen an die Konsumenten und Produzenten dieser Informationsangebote. Tendenziell werden immer mehr Menschen zu Produzenten im World Wide Web. Das hängt mit der steigenden Akzeptanz von Web 2.0 Diensten zusammen, aber auch mit der weiter zunehmenden Verbreitung von Internetanschlüssen und dem immer selbstverständlicher werdenden Umgang mit dem World Wide Web. Content-Management-Systeme spielen dabei eine wichtige Rolle um Information zu verwalten. Sie ermöglichen, dass diese für ein breites Spektrum erreichbar werden und erleichtern die Arbeit mit den Informationen erheblich. Zwei technische Merkmale ermöglichen das: Die Organisation der Inhalte in einer Datenbank (hier MySQL) und die strikte Trennung von Inhalt und Design. Inhalte werden so zu einer nachhaltigen Informationsbasis und die Informationen können flexibel mit unterschiedlicher Gestaltung und gleichzeitig auf mehreren Seiten erscheinen. Auch Inhaltsangaben, Menüs oder Listen geänderter Seiten lassen sich automatisiert aus den Daten der Datenbank erstellen.

Bildungsplanbezug

Das Projekt lässt sich zu den Bereichen Arbeiten und Lernen mit IT-Werkzeugen und Zusammenarbeiten und kommunizieren zuordnen. (Grau gedruckte Kompetenzen werden nur von einzelnen Schülern erreicht). Die Schülerinnen und Schüler können … Arbeiten und Lernen mit IT-Werkzeugen Zusammenarbeiten und kommunizieren Informationen in umfangreichen digitalen Dokumenten mit eingefügten Objekten darstellen individuelle Einstellungen bei Dokumenten und informationstechnischen Anwendungen vornehmen. die Qualität von Informations- und Medienangeboten beurteilen. gemeinsam an digitalen Dokumenten arbeiten beim Umgang mit den Informations- und Produktionsmöglichkeiten die Konsequenzen des Datenschutzes, Jugendschutzes und Urheberrechts beachten. die Organisationsstruktur vernetzter Umgebungen sowie deren Auswirkungen, Chancen und Risiken reflektieren

Erweiterter Leistungsbegriff & Beurteilung

Der Kompetenzbegriff bezeichnet stets ein „sich-bewähren im Leben“6. Kompetenzerwerb kann demnach nur an realitätsnahen Aufgaben erfolgen. Projektorientierter Unterricht holt diese lebensnahen Aufgaben in die Schule - eine höhere Lebensnähe ist fast nicht erreichbar. Unter der (neuen) Ausrichtung auf Handlungskompetenz muss sich aber auch die Leistungsbewertung verändern, die bisher meist „wissens- und stoffdominiert“ ist. „Persönlichkeitskompetenzen [personale Kompetenzen], Methodenkompetenz, oder soziale Kompetenz“ müssen zusätzlich zur Fachkompetenz in die Beurteilung mit eingehen.

Die Beurteilung bezieht sich auf den Prozess und das Produkt. Sie stützt sich auf meine Beobachtung im Unterricht, die Auswertung der Portfolios und der gruppenspezifischen Ergebnisse (Produkt). Ich spreche bewusst von einem digitalen Portfolio9 und nicht von einem Lerntagebuch da ich den Schülern die Möglichkeit geben möchte auch Screenshots von Arbeitsproben in ihrem digitalen Portfolio in TYPO3 abzulegen.

Lernziele

Die Schülerinnen und Schüler …

Fachliche Ziele

… lernen die redaktionelle Arbeit mit einem Content-Management-System kennen. Bei der Zusammenstellung der Inhalte und den Einträgen im Portfolio erwerben sie Grundkenntnisse im Umgang mit einem Content-Management-System (Inhaltliche Gliederung in Seiten und Inhaltselemente, Anlegen von Inhaltselementen, Kopieren und Einfügen von Inhaltselementen)

Methodische Ziele

… dokumentieren ihre Ergebnisse und Überlegungen mit TYPO3 in einem eigenen digitalen Portfolio.

… reflektieren ihren Arbeitsprozess und -erfolg.

Personale Ziele

… teilen sich die Arbeit selbstständig ein.

… haben die Ziele ihrer Arbeits- und Redaktionsgruppen im Blick.

Soziale Ziele

… reflektieren die Zusammenarbeit innerhalb ihrer Gruppen und gruppenübergreifend.

Methodische Überlegungen

Arbeitsteilige Bearbeitung

Die Vision Schüler die Entwicklung der Schulwebsite weitgehend selbst in die Hand zu geben, skizziert bereits eine komplexe Aufgabenstellung, in der Schüler selbstständig und arbeitsteilig an der Schulwebsite arbeiten. Eine arbeitsteilige Bearbeitung ergibt sich, da ganz unterschiedliche Aufgaben mit der Lösung verbunden sind, und durch die unterschiedlichen Themen die auf einer Schulwebsite widergegeben werden können:

  • Grafik: Gestaltung der Seite (Farbe, Form, Schrift)
  • TYPO3 und XHTML, CSS: Programmierung (Umsetzung)
  • Texte & Berichte: d.h. redaktionelle Tätigkeiten

Hier zeigt bereits das Potential und die Herausforderung die in dieser Aufgabe stecken. Der Vorteil gegenüber anderen Aufgabenstellungen liegt darin, dass alle Schüler an einem Produkt arbeiten. Eine „künstliche“ Aufteilung der Klasse in kleinere Gruppen, und auf unterschiedliche Produkte, ist nicht notwendig. Alle Schülerinnen und Schüler können sich an dem Produkt Schulwebsite beteiligen. Diese enorme Gruppengröße erschwert allerdings auch die Kommunikation und die Absprachen die den Arbeitsprozess lenken. Sie fordert die Schülerinnen und Schüler heraus in einer Gruppe zusammen zu arbeiten, Aufgaben aufzuteilen - kurz gesagt - Arbeit zu organisieren.

Trotz unterschiedlichster Aufgaben - einheitliche Lernziele für alle Schüler

Trotz der Arbeit in ganz unterschiedlichen Bereichen und Aufgaben (informationstechnische, und redaktionelle) sollen einheitliche fachliche Lernziele am Ende des Projekts stehen: Redaktionelle Grundkenntnisse im Umgang mit einem Content-Management-System11. 
Dazu hatte ich zu Beginn des Projekts folgende zeitliche Organisationsform vorgesehen:

Jede Unterrichtsstunde gliedert sich in 3 Teile. In den ersten 20 Minuten treffen sich die Schülerinnen und Schüler in den Redaktionsgruppen: Hier werden zu unterschiedlichen Themen Informationen zusammengetragen und Inhalte aus Texten und Bildern erarbeitet. 
Die unterschiedlichen Redaktionsgruppen unterscheiden sich nicht hinsichtlich ihrer Arbeitsweise, sondern hinsichtlich der Inhalte an denen sie arbeiten.

Folgende Redaktionsgruppen wurden gebildet:

Veranstaltungskalender, Schulgeschichte, Namensgeber, Module & Spezialklassen, Lehrersteckbriefe, Vetretungsplan

Anschließend treffen sich die Schülerinnen und Schüler in ihrer den Arbeitsgruppen. Hier geht es um ganz unterschiedliche, fachspezifische und organisatorische Aufgaben, die für die Website wichtig sind. Folgende Arbeitsgruppen wurden nach Schülervorschlägen gebildet: *Arbeitsgruppen (Funktionen) *Programmierung (CSS, TS, HTML, Template), Photos, Grafik, Gästebuch, Rechtsgruppe, Planungs- & Umfrage Gruppe12

Verlauf

Das Projekt fand zu Beginn13 des Schuljahres 2008/2009 im regulären einstündigen ITG Unterricht statt. Aufgrund einiger Unterrichtsausfälle (Pädagogischer Tag, BORS, etc.) entschied sich die Klasse während des Projektes dazu ein zusätzliches Treffen am Wochenende durchzuführen, um zum vereinbarten Termin fertig zu sein.

Produktion: TYPO3 als Plattform für Schulwebsite

Produktion (lat.) bezeichnet die Herstellung von Waren und Gütern14. In Zeitalter der digitalen Informationstechnik zählen dazu auch digitale „Güter“ und somit auch Webseiten, Computerprogramme, oder digitale Musikstücke.

Unterscheidung Homepage, Webseite, Website

Der Begriff Homepage (engl. Heim und Seite) bezeichnet ursprünglich lediglich die Startseite einer, viele einzelne Webseiten umfassenden, Website (engl. wörtlich übersetzt: Ort im World Wide Web kurz web15). Korrekterweise muss man von einer Schulwebsite sprechen. In der gesprochenen Sprache ist der Begriff Website allerdings nicht sehr gebräuchlich, meist werden Webseite und Homepage synonym verwendet.

Begriff Content-Management-System (CMS)

„Die komplexeste und leistungsfähigste Form der dynamischen Seitengenerierung ist ein CMS. Solche Systeme […] werden eingesetzt, wenn in einer feststehenden Struktur immer neue Inhalte dargestellt werden sollen. Diese Systeme ermöglichen Contentpflegeprozesse mit Online-Redakteuren und formatieren den Content nach einmal vorgegebenen Regeln selbst.“16 Content-Management-Systeme eignen sich folglich gut für die Produktion einer Schulwebsite. Durch ein solches System können die laufenden inhaltlichen Aufgaben gezielt auf mehrere Schultern verteilt werden. Der Weg von der Informationsquelle zum Rezipient lässt sich dadurch deutlich verkürzen. Davon profitieren letztlich alle Beteiligten.

Entscheidung für ein System

Für die Erstellung einer Schulwebsite bieten sich verschiedene Werkzeuge an: Neben Open Source Lösungen die eigenen Webspace voraussetzen gibt es mittlerweile auch Angebote, wie Google Page Creator, die kostenlos und werbefrei angeboten werden, einfach zu bedienen sind und mit geringem administrativem Aufwand betrieben werden können. 
Trotzdem habe ich mich für TYPO3, und damit für eine Variante entschieden, die eigenen Webspace mit PHP und eine MySQL Datenbank voraussetzt. 
Einige grundlegende Überlegungen möchte ich hier kurz darlegen: TYPO3 ist kostenlos verfügbar. Die Weiterentwicklung ist durch eine große Entwicklergemeinde, den kommerziellen Einsatz und die GNU General Public License quasi sichergestellt. 
TYPO3 läuft auf dem eigenen Server. Die Inhalte sind dadurch Konzernunabhängig und nachhaltig verfügbar abgelegt. TYPO3 ist durch so genannte Extensions flexibel um weitere Funktionen erweiterbar. Das TYPO3 Backend ist trotz der Komplexität recht gut verständlich. Schreib-, Lese- oder Vollzugriff lässt sich für jede Seite und jedes Inhaltselement festlegen. passwortgeschützte Seiten sind möglich.


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