Schreiben für das Internet

Surfer lesen häufig nicht, sondern überfliegen Texte. 80% eines Artikels im Internet werden gar nicht gelesen. Nur die ersten drei Worte einer Überschrift finden Beachtung. Keine guten Zeiten für Verfasser anspruchsvoller Texte? - Bedingt. Das Netz tickt anders als gedruckte Medien, doch mit ein paar Kniffen lassen sich auch komplexe Inhalte fit für's Internet machen.
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Strukturierung von Texten

Die umgekehrte Pyramidenform

Die klassische Struktur wissenschaftlicher Texte mit der Erläuterung der Problemstellung am Anfang und dem Fazit am Ende kollidiert mit dem Anspruch des Surfers, schnell relevante Informationen zu finden. Das umgekehrte Pyramidenmodell befriedigt diese Ansprüche. Danach ist es sinnvoll, Texte für das Internet in dieser Reihenfolge zu strukturieren:

  1. Zusammenfassung der Ergebnisse und Fazit

  2. Die Fakten, möglichst geordnet nach Wichtigkeit (von wichtig zu weniger wichtig)

  3. Hintergrundinformation

Der Leser kann somit zu jeder Zeit aufhören zu lesen, ohne relevante Information zu verpassen.

Überschriften gliedern einen Text

Surfer „scannen“ eine Website nach den für sie relevanten Informationen. Sie lesen also nichtlinear. Um dem Leser das Auffinden der gesuchten Textpassage zu erleichtern, ist es daher sinnvoll, Überschriften und Unterüberschriften zu verwenden und Texte in Abschnitte zu gliedern. Ein Textabschnitt sollte nicht mehr als einen Aspekt beinhalten. Über- und Unterüberschriften sollten einen Abschnitt präzise zusammenfassen und nicht mit unverständlichen Wortspielen glänzen. Da häufig nur die ersten drei Wörter einer Überschrift gelesen werden, muss darin bereits alles Wichtige enthalten sein!

Listen und Tabellen nutzen

Noch schneller als Text können Auflistungen und gut strukturierte Tabellen erfasst werden. Sie haben daher hohen Einfluss darauf, wie gut und schnell der Leser beim Überfliegen findet, was ihn interessiert. Besonders angebracht sind Listen und Tabellen, um Inhalte zusammenzufassen.

Wichtiges hervorheben

Schlüsselbegriffe hervorzuheben, erleichtert es dem Leser, schnell Wichtiges von Unwichtigem zu trennen und sich ohne Anstrengung in Texten zurecht zu finden. Möchte man erreichen, dass Schlüsselbegriffe sich optisch aus dem Fließtext herausheben und damit beim Überfliegen gelesen werden, setzt man sie in fett. Sie erscheinen damit wie ein besonderer Textstempel, der besonders gut wahrgenommen wird. Soll sich der Schlüsselbegriff nicht herausheben, setzt man sie kursiv (schräggestellt).

Verlinken von thematisch ähnlichen Inhalten

Das Internet erlaubt das Verlinken von Inhalten. Klar. Webautoren müssen daher Sachverhalte, die an anderer Stelle bereits erläutert werden, nicht erneut zusammenfassen. Von der Verlinkung von Hintergrundinformationen profitieren Nutzer besonders, wenn die verlinkten Inhalte ebenfalls in umgekehrter Pyramidenform geschrieben sind. Auf diese Weise hat der Leser die freie Wahl, ob er sich tiefer in ein Thema einlesen möchte.

Formulierung von Texten

Für den Leser schreiben

Prägnanz, der berühmte rote Faden und das Fehlen von Füllwörtern kennzeichnen gute Webtexte. Wie lässt sich das erreichen?

Bei gedruckten Texten soll zwar auch die Information transportiert werden, aber Leser erwarten hier eine andere journalistische Qualität, mit einem Spannungsbogen, der sie immer weiter in die Lektüre hineinzieht. Eine Ausnahme bilden Dokumente wie beispielsweise Verträge, bei denen nach der Lektüre und Ablage auf der ersten Seite auf einen Blick der Stand der Dinge erfahrbar sein muss. Dazu kann der Eingang des Dokuments oder die Fälligkeit für eine etwaige Wiedervorlage gehören. Um diese Information leserlich und mit möglichst wenig Aufwand anzubringen, ist ein individueller Textstempel mit Datum und dem passenden Betreff ideal.

Praktische Tipps zur Umsetzung:

  • „Ehrliche“ und objektive Sprache ohne Übertreibungen verwenden

  • Ohne Umschweife zum Punkt kommen. Was nicht dazu beiträgt, den Inhalt zu vermitteln, fliegt raus.

  • Kurze Sätze sind verständlicher. Nebensätze und komplexe Satzbauten daher vermeiden.

  • Links wie »mehr«, »weiter« etc. sind am Ende von kurzen Newsmeldungen vielleicht noch in Ordnung. In Fließtexten aber müssen sie anders geschrieben werden, damit sie beim Überfliegen verständlich sind.

So nicht: Weitere Informationen finden sie hier. Sondern so: Der Koizuchtverein stellt weitere Informationen zur Fischfütterung bereit.

  • Und ganz wichtig: für den Leser schreiben, nicht für sich. Leitfrage muss daher sein »was möchte der Leser wissen?« - und nicht »was möchte ich ihm mitteilen?«.


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