Gewalt- und Pornovideos auf Schülerhandys

Eine gute und bundesweit empfohlene Möglichkeit zu reagieren, zeigt die Praxisbegegung mit der Thematik aus Gifhorn. Hier war der Medienbereich der Grund- und Hauptschule Alfred-Teves-Schule schon 2005 aktiv und hat erfolgreich interveniert.
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Das grundlegende Arbeitskonzept, welches bundesweit veröffentlicht wurde, findet sich nachfolgend wieder:

In acht Schritten zu „sauberen Handys“ an Ihrer Schule

  1. Eine Projektgruppe zur Gewaltprävention gründen

  2. Die Lehrer informieren

  3. Auf die Verantwortung der Eltern bauen

  4. Eine Handy-Ordnung beschließen

  5. Gewaltprävention in den Stundenplan integrieren

  6. Schüler als Experten einbeziehen

  7. Medienkompetenz stärken

  8. Weiträumig vernetzen

Gewaltvideos auf dem Schulhof - Praxisbeispiel Alfred-Teves-Schule

Im November 2005 filmten Schüler im Rahmen einer Schulhofrangelei mehrere Schüler mit Mobiltelefonen. Durch die Intervention einer Lehrkraft kam die Tatsache ans Licht, dass sich auf den Schülerhandys sogenannte „Snuff-Videos“ und „Happy-Slapping-Videos“ mit abartigsten Gewaltszenen befanden. Die aufsichtführende Lehrkraft nahm, gemeinsam mit den Schülern, die Telefone an sich. Hintergrund war, dass die aufgezeichneten Aufnahmen von den Schülern im Beisein der Lehrkraft gelöscht werden sollten, um zu verhindern, dass diese anderweitig von den Schülern verwendet werden (Schülermobbing etc.). Die Schüler machten hier bereitwillig mit, dabei wurden die Gewaltvideos entdeckt. Auffällig war hier, dass die Schüler ein geringes Unrechtsbewusstsein zeigten, da der Besitz solcher Aufnahmen unter Jugendlichen als „normal“ angesehen wurde.

Schritt 1

Ausführliche Internetrecherche der Lehrkraft und Information der Schulleitung. Dabei besonders im Fokus: rechtliche Aspekte. Die Einbindung der beteiligten Schüler von Beginn an war hier sinnvoll und empfehlenswert. Zusätzlich erfolgte eine Schülerbefragung in den 8 Klassen. Dabei stellte sich schnell heraus, dass es sich um strafrechtlich relevante Inhalte handelt und dass diese Inhalte bei den Schülern mehrheitlich bekannt waren.

Schritt 2

Information der Polizei. Parallel dazu wurde ein Informationsvortrag für Eltern und Lehrkräfte vorbereitet. Auf einer gesonderten Dienstbesprechung erfolgte im Beisein von Vertretern der Polizei, des Schulelternrates und Lehrkräften eine umfassende mediengestützte Darstellung der Hintergründe. Gleichzeitig wurde beschlossen, die gesamte Elternschaft der Schule verpflichtend im Rahmen eines Informationsabends über die Hintergründe zu informieren. Ein zweiter Beschluss war die Installation einer Anti-Gewalt AG, an der Eltern, Lehrkräfte und Schüler teilnahmen.

In Absprache mit den zuständigen Behörden (Landesschulbehörde, Staatsanwaltschaft, Polizei) wurde ein Elternvortrag in der Sporthalle der Schule geplant und durchgeführt. Eltern, die keine Zeit hatten und sich entschuldigen ließen, erhielten an einem zweiten Termin die Möglichkeit sich zu informieren.

Schritt 3

Anschließend erfolgte die Multiplikation über das Medium Schulwebseiten. Hier wurden alle relevanten Informationen zum Download für andere betroffene Schulen und Interessierte bereitgestellt und weiträumig vernetzt. Das Medium Schulwebseite erwies sich hier als sehr effektiv, da Informationen schnell und unkompliziert ausgetauscht werden konnten.

Parallel wurde eine Schülerarbeitsgemeinschaft (Medien AG mit dem Projekt „Saubere Handys“) ins Leben gerufen, die sich bis heute konstruktiv mit der Thematik einer sinnvollen Handynutzung in der Schule auseinandersetzt. Gründungsmitglieder waren die damaligen Handyfilmer.

Schritt 4

Schulorganisatorisch wurden verschiedene gewaltpräventive Maßnahmen beschlossen und durchgeführt:

  1. Regelmäßiges Durchführen des Programmes „Schritte gegen Tritte“ für die Klassen der Hauptschule und entsprechende Anpassung der schuleigenen Stundentafel seit 2005

  2. Regelmäßiges Durchführen des Programmes „Faustlos“ für die Klassen der Grundschule seit 2005

  3. Einladung von außerschulischen Experten für den Bereich der schulischen Gewaltprävention

Bis zum 27.03.2009 wurden weiterführend Materialien und Projekte auf den Schulwebseiten präsentiert (Die monatlichen Besucherzahlen bewegten sich dabei zwischen 3.000 und 12.000). Dabei stehen vor allem die Fähigkeiten und das Technikwissen der Schüler im Vordergund der Arbeit. Der inhaltliche Arbeitsrahmen der Medien AG beeinhaltet zudem noch folgende Bereiche:

  • Spiel- und Lernsoftwaretests in der Schule

  • Sinnvoller Einsatz von Mobiltelefonen in der Schule

  • Schülerzeitung „BlinG-BlinG“

  • Sportunterricht und Neue Medien

  • Schulwebseiten gestalten

Bezug zum Thema Schulhomepage

Im Rahmen der Präventionsarbeit wurden alle verwendeten und erstellten Materialien auf den Schulwebseiten präsentiert. Dies erwies sich als sehr effektiver Weg, Informationen zu verbreiten und den Präventionsgedanken zu festigen. Besondere Handlungsicherheit wurde durch die Fassung einer schuleigenen, an die bestehende Schulordnung angegliederte, Handynutzungsordnung geschaffen.

Ich muss hier leider auf meinen eigenen Webbereich verweisen, da unsere Schulwebseiten außerplanmässig, aber unwiderruflich, vom Netz genommen wurden.


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